Klima-Bündnis lädt zur Schiffsfeinstaub-Messung nach Berlin

  • Von Christian Grohmann
  • 24.07.2014
  • Panorama
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Klima-Bündnis lädt zur Schiffsfeinstaub-Messung nach Berlin

Für den 25. Juli hat das Bündnis „Rußfrei fürs Klima“ Medien und Öffentlichkeit zu einer Protestaktion auf die Berliner Friedrichsbrücke an der Museumsinsel eingeladen. Mit einer fernsehtauglichen Feinstaubmessung wollen die beteiligten Umweltverbände ihre langfristige Forderung nach einer Filterpflicht für Binnenschiffe untermauern. Die Aufforderung an die Bundespolitik lautetet, Rahmen zu setzen und den Kommunen Gestaltungsspielräume zu geben, Binnenschiffe in Regelungen wie die Umweltzone einzubeziehen.

Jens Schwanen ist wenig erfreut. Jens Hilgenberg sieht es gelassen. „Wir werden auf der Brücke zwei Meter über dem Schiff messen, um die städtische Normalbelastung mit dem Wert während der Schiffspassagen vergleichen zu können“, erklärt der Projektkoordinator der Initiative aus dem Verkehrsreferat des BUND. „Interessant wird auch der Vergleich mit den vier bereits mit Katalysator- und Filtersystemen ausgestatteten Berliner Fahrgastschiffen.“

BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen dagegen muss schon aufräumen, bevor die Aktion überhaupt angefangen hat. „Da wollte schon ein Lokalredakteur wissen, wann die Feinstaubplakette denn auf der Mosel eingeführt wird“, so Schwanen, der eine Nachrüstung zur Schadstoffminderung grundsätzlich für sinnvoll hält. „Hinsichtlich der Vorgehensweise sind wir jedoch anderer Meinung – und die Kommunikation für diese Aktion ist ziemlich schief gelaufen.“

BDB kritisiert mangelnde Sensibilität

So vernachlässige der BUND, dass es weder ein einheitliches Messverfahren für den Schadstoffausstoß vorbeifahrender Schiffe, noch serienreife sowie hinreichend ausfallsichere Abgasnachbehandlungsanlagen zur Schadstoffminderung gebe, kritisiert Schwanen. Eine Serienproduktion sei ohnehin nicht möglich, die Anlagen verursachten zudem einen höheren Kraftstoffverbrauch.

Auf die Existenz anderer förderfähiger und laut Hersteller verbrauchsreduzierender Technologien geht die BDB-Pressemitteilung nicht ein, obwohl sich Schwanen ebenso wie Hilgenberg grundsätzlich technologieoffen zeigt. Das Problem müsse ganz einfach über internationale Gremien angegangen werden, der Weg über Kommunen und Umweltzonen sei nicht zielführend, so Schwanen.

Handlungsbedarf aufzeigen

Entsprechend einer vorangegangenen Messung erwartet Hilgenberg eine lokale Verfünfzigfachung der Feinstaubpartikel hinter den filterlosen Ausflugsdampfern. „Wir können nicht zeigen, welchen Einfluss das Schiff auf die gesamte städtische Luftqualität hat. Für die Anwohner am Landwehrkanal ist es aber unverständlich, wenn sie ihre Autos mit Filtern ausstatten müssen – die Ausflugsschiffe vor dem Fenster aber weiterhin Dieselruß emittieren“, so Hilgenberg.

Mit den Fernsehbildern will er aufzeigen, dass Handlungsbedarf für eine Branche bestehe, deren erkennbarer CO2-Vorteil in der Umweltbilanz von Transporten auf Dauer nicht durch den erhöhten Ausstoß von Luftschadstoffen gemindert werden darf. Weil der BUND auch die Einbeziehung von Bundesautobahnen in die Regelungen der Umweltzonen fordert, dürfe man bei Bundeswasserstraßen nun mal keine Ausnahmen machen. Darüber hinaus sei die Bundesregierung gefordert, den Zugang zu Fördermitteln zu vereinfachen – und den Zuschuss zu erhöhen, wie es der Berliner Senat für sein lokales Förderprogramm bereits plane.

Schlechte Presse absehbar

Negativschlagzeilen, wie sie Anfang Mai bereits die ZDF-Dokumentation „Schmutzige Schifffahrt“ hervorgerufen hat, scheinen für den BDB absehbar, wenn nicht vor laufenden Kameras Aufklärungsarbeit geleistet werde. Jedenfalls „verpesten“ Binnenschiffen in einer Aussendung des Evangelischen Pressedienstes, die von vielen Medien übernommen wurde, bereits die Luft, während sich BDB und BUND nun telefonisch auf „belasten“ geeinigt haben.

Beide Seiten betonen unterdessen, dass man in der Sache bereits gut zusammengearbeitet habe. Das treffe etwa auf die medienwirksame Verleihung von Feinstaubplaketten durch den BUND an die nachgerüsteten Schiffe in Berlin und andernorts zu.

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