Solarfolien: Von der Lagerhalle auf die Lukendeckel?

Solarfolien: Von der Lagerhalle auf die Lukendeckel?

Wie man Umwelttechnik medienwirksam kommuniziert, zeigt dieser Tage der Hafen Duisburg: Auf einer 200 Quadratmeter großen Hallenfassade im Freihafen wurden jüngst die ersten organischen ultraleichten Solarfolien angebracht, lautet eine Meldung vom 9. Juli. Die Technik sei grundsätzlich für mobile Anwendungen geeignet, der Hersteller nennt Smartphones oder Autos. Binnenschiffe liegen da auch nicht mehr fern.

Das Foto aus Duisburg zeigt acht Solarfolien von weniger als einem Millimeter Dicke, die nach den Spezifikationen des Herstellers 30 Zentimeter breit und höchstens zwei Meter lang sein dürften. Nach erfolgreichem Testlauf bestehe das Potenzial, bis zu zehn Millionen Quadratmeter Fassaden- und Dachfläche zur Gewinnung von Energie in seinem Hafen zu nutzen, erklärte der duisport-Vorstandsvorsitzende Erich Staake. „Damit können wir einen erheblichen Beitrag zu einem umweltfreundlichen Hafen leisten.“

Genaue Zahlen nennen die Duisburger nicht. Hersteller Heliatek dagegen schon: Im November 2017 vermeldete das Dresdener Unternehmen die Inbetriebnahme der weltweit größten Anlage dieses Typs: Zuzüglich Vorbereitungszeit sollen sechs Monteure 500 Quadratmeter der selbstklebenden Solarfolie in nur acht Stunden auf dem Dach einer Schule in der französischen Hafenstadt La Rochelle verlegt haben. Das waren 400 Streifen mit Längen von 2 bis 5,7 Metern.

Jockel-Ersatz

Die Anlage leiste in der Spitze 22,5 Kilowatt (kWp) und generiere jährlich etwa 23,8 Megawattstunden, was laut Heliatek etwa 15 Prozent des Strombedarfs der Schule entsprechen soll. Damit lässt sich noch kein Schiff den Rhein hinauf fahren, sicherlich aber ein Jockel, also der klassische dieselbetriebene Stromerzeuger, ersetzen. Denn auf einem 110-Meter-Schiff stehen über 700 Quadratmeter auf den Laderaumabdeckungen, den so genannten Lukendeckeln, zur Verfügung. Für eine medien- und öffentlichkeitswirksame Kommunikation ist die Anlage allemal geeignet.

Chemische Basis der Zellen, die um die 25 Jahre halten sollen, ist Kohlenstoff anstatt Silizium. Das Produkt sei insbesondere für den Retrofit-Markt von Dachflächen und Fassaden geeignet, wo Restriktionen seitens Gewicht, Statik, Zugang, Isolierung, Garantie oder Durchdringung des Untergrundes eine Rolle spielen. Weitere für die Schifffahrt interessante Aspekte wären physische Belastbarkeit und Kosten, denn letztlich zählt die Amortisation am meisten.

Namhafte Investoren

Auch wenn Heliatek laut Berichten von Dresdner Neueste Nachrichten und Sächsischer Zeitung bislang keinen Gewinn erwirtschaftet hat, blickt das Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft: Die Produktion mit einer Testanlage begann vor sechs Jahren, die Erweiterung der Kapazität von jährlich 50.000 Quadratmeter Folie auf eine Million Quadratmeter soll im nächsten Jahr abgeschlossen sein. Rund 60 Millionen Euro hatten bereits die BASF, der Energiekonzern Engie sowie die RWE-Tochter innogy in das Unternehmen gesteckt, weitere 15 Millionen steuerten 2017 ein chinesisches Familienunternehmen sowie eine deutsche Baufirma bei. Dazu gab es 20 Millionen Euro als Kredit der Europäischen Investitionsbank, die gleiche Summe erwartet das Unternehmen aus Fördertöpfen.

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