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Niederländer bauen elektrisches Gütermotorschiff - Chinesen schon fertig

Autor: Christian Grohmann       Datum: 16.01.2018
Entwurf des elektrischen Binnenfrachtschiffs von Omega Architects
Bild: Omega Architects

Ein rein elektrisch betriebenes und autonom fahrendes Küstenmotorschiff hatten die Norweger schon Anfang 2017 für 2020 angekündigt. Nun hat das niederländische Unternehmen Port Liner zum Überholen angesetzt: Wie verschiedene Medien berichten, sollen elf vollelektrische Binnenschiffe bei Asto und Gelria gebaut werden; das erste noch im August 2018 vom Stapel laufen. Den ersten vollelektrischen Binnenfrachter haben jedoch die Chinesen abgeliefert.

Das von Omega Architects entwickelte Typschiff soll für die GVT-Gruppe zwischen Rotterdam und Tilburg pendeln. Das sind rund 100 Kilometer pro Strecke. Die übrigen Einheiten sollen bis 2019 folgen. Von der Europäischen Union gab es Fördermittel in Höhe von sieben Millionen Euro für das Projekt. Alle Schiffe seien bereits vermietet an Verlader, Logistikdienstleister und Containerreedereien. Direktor von Port Liner ist Ton van Meegen, der bereits seit 40 Jahren in der Binnenschifffahrt aktiv ist.

Austauschbare Powerboxen

Laut maritiemnieuws.nl werden fünf Schiffe mit 52 Meter Länge und 6,7 Meter Breite gebaut. Eines davon soll zwischen Budel an der belgisch-niederländischen Grenze und Antwerpen eingesetzt werden und laut tijd.be 24 Container oder 425 Tonnen Ladung an Bord nehmen können. Die Strecke beträgt etwa 90 Kilometer. Für dieses Projekt habe der Hafen Antwerpen 200.000 Euro beigesteuert. Dieses Kempenaar-Format soll mit einem austauschbaren Akku-Paket vom Format eines 20-Fuß-Containers bis zu 15 Stunden im Kanalgebiet fahren können.

Der große Bruder mit sechs Einheiten misst 110 Meter Länge und 11,4 Meter Breite. Sein Einsatzgebiet soll bis Duisburg reichen. Die Transportkapazität betrage je 270 Container, laut Binnenvaartkrant sind es 224 TEU. Die Illustration zeigt ein Schiff mit vier Containerreihen nebeneinander zu je 14 Containern in wahrscheinlich fünf Lagen. Mit vier Powerboxen mit einer Gesamtkapazität von 7,2 Megawattstunden soll das Schiff 35 Stunden lang fahren können, berichten heise.de und andere Quellen. Nur der Binnenvaartkrant spricht von 18 Stunden. Einig sind sich alle: Am Containerterminal werden die Boxen ausgetauscht – oder binnen vier Stunden aufgeladen.

Nachrüstbar

Als Begleiter von Konstruktion und Bau wird die Klassifikationsgesellschaft Lloyds Register genannt, die Schiffe sollen die ADN-Anforderungen erfüllen. Zudem werden alle Vorbereitungen getroffen, um auf autonomen Betrieb umrüsten zu können. Da kein großer Maschinenraum nötig sei, falle der Laderaum acht Prozent größer als bei vergleichbaren Schiffen aus. In einigen Medien war bereits der Spitzname „Tesla-Schiff“ aufgetaucht.

Das Antriebssystem von Werkina soll sich auch für die Umrüstung bestehender Schiffe eignen. Die austauschbaren Container könnten anstelle von Akkus in der Zukunft beispielsweise auch Wasserstoff-Brennstoffzellen enthalten. Bisher ist vorgesehen, dass die Akkus im Eigentum einer Leasing-Gesellschaft verbleiben. Der Schiffsbetreiber zahlt nur die verbrauchte Kilowattstunde.

Port Liner schätzt anhand einer Panteia-Studie, dass die Betriebskosten einem dieselbetriebenen Schiff ähneln. Das Unternehmen geht davon aus, dass sechs elektrische Schiffe jährlich etwa 18.000 Tonnen Kohlendioxid weniger verursachen. Auf welchen Strommix und welche Schiffsgrößen sich diese Aussage bezieht, ist nicht eindeutig. Gegenüber tijd.be gab van Meegen konkrete Werte für die Baukosten an: 1,5 Millionen Euro für die Kempenaar-Größe, 3,5 Millionen Euro für das Großmotorgüterschiff. Alles inklusive Batteriecontainer.

Chinesen waren schneller

Ein anderes Konzept wird in China verfolgt: Dort soll bereits im November ein elektrisches Binnenschiff seine Jungfernfahrt absolviert haben, das 2,4 Megawattstunden in einer Kombination aus fest eingebauten Lithium-Akkus und Supercap-Kondensatoren speichert. Es wurde auf der Guangzhou Shipyard International gebaut.

Das Schiff ist gemäß den Angaben von China Daily 70,5 Meter lang, 13,9 Meter breit und hat bei einem Tiefgang von 3,3 Metern eine Zuladung von 2.000 Tonnen. Angetrieben wird es von zwei E-Motoren mit je 160 Kilowatt Leistung. Es soll eine Reichweite von etwa 80 Kilometern haben – und zunächst Kohle auf dem Perlfluss befördern. Die Aufladung soll während des Umschlags binnen zwei Stunden erfolgen, die Maximalgeschwindigkeit beträgt 12,8 Kilometer pro Stunde.

In Deutschland wird unterdessen ein elektrisch betriebenes Schubboot geplant.

Tags: elektroantrieb, van meegen, asto, gelria, niederlande, china,

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