Gutachten zur Wasserstraßenkategorisierung vorgestellt
Ein gemeinsames Gutachten zur Netzkategorisierung der Wasserstraßen durch die Firma Railistics hat Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Jörg Bode am 19. Juni vorgelegt. An dem Papier haben 13 Bundesländer, das BMVBS und der Bundesverband öffentlicher Binnenhäfen (BÖB) mitgewirkt.
In dem Gutachtens wird ein Wasserstraßennetz definiert, welches die Anforderungen an Durchgängigkeit und Netzzusammenhang für den wachsenden Gütertransport erfüllt. Jörg Bode betonte, dass es vorrangiges Ziel ist, nicht nur auf die transportierte Tonnage zu schauen. Das Gutachten zeige einen Weg auf, die regionalwirtschaftliche Bedeutung einzelner Wasserstraßen zu berücksichtigen.
Im ersten Schritt wurden Wirtschaftszentren entlang von Wasserstraßen ausgewählt. Kern eines Wirtschaftszentrums ist immer ein Binnenhafen bzw. eine private Umschlagstelle. Um einen Hafen herum wurde ein Gebiet mit einem Radius von 25 km untersucht. Aus Gründen der Datenverfügbarkeit erfolgte eine Abgrenzung auf Landkreisebene. Um als Wirtschaftszentrum definiert zu werden, muss das zusammenhängende Gebiet
- mehr als 10.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im produzierenden Gewerbe,
- mindestens 1 Milliarde Euro Umsatz im verarbeitenden Gewerbe sowie
- einen Binnenhafen bzw. eine private Umschlagstelle aufweisen.
Insgesamt wurden so 75 Wirtschaftszentren definiert. Aufgrund der starken wirtschaftlichen und verkehrlichen Verflechtung wurde der Raum Trier/Luxemburg als grenzüberschreitendes Wirtschaftszentrum definiert. Die Wirtschaftszentren wurden gemäß dem Kriterium „Umsatz im verarbeitenden Gewerbe“ in fünf verschiedene Clusterstufen eingeteilt. Um eine Überbewertung starker Wirtschaftszentren gegenüber schwächeren zu verhindern wurden die Clusterstufen von 1,1 bis 1,5 mit einem Abstand von jeweils 0,1 definiert.
Kern der Methodik ist die Multiplikation der Gütermengen eines Wirtschaftszentrums mit dem jeweiligen Clusterwert. Auf diese Weise kann die volkswirtschaftliche Wertschöpfung entlang der Wasserstraßen durch die Bewertung der Gütermengen berücksichtigt werden. Das Vorgehen bei der Bewertung unterscheidet hierbei zwischen Binnenverkehren und Seehafenhinterlandverkehren. Bei Binnenverkehren wird die Gütermenge zwischen zwei Wirtschaftszentren mit dem Clusterwert des versendenden Wirtschaftszentrums bewertet, bei Seehafenhinterlandverkehren wird die Gütermenge immer mit dem Clusterwert des Wirtschaftszentrums im Binnenland bewertet. Da im Ausland keine Wirtschaftszentren definiert worden sind, werden Verkehre aus dem Ausland sowie Transitverkehre mit dem einheitlichen Faktor 1,0 multipliziert. Dadurch wird die geringere Bedeutung, die diese Verkehre für die deutsche Volkswirtschaft haben, abgebildet. Ergebnis dieses Schrittes sind bewertete Transporteinheiten für die Relationen zwischen den einzelnen Zonen.
Im nächsten Schritt werden diese bewerteten Transporteinheiten auf das Wasserstraßennetz umgelegt. Daraus ergeben sich die bewerteten Transporteinheiten auf den einzelnen Wasserstraßenabschnitten. Basierend auf diesen Ergebnissen wurden die Wasserstraßen kategorisiert. Kriterium für die Bewertung eines Wasserstraßenabschnitts ist die Transporteinheit auf diesem Abschnitt.
Um die eigenen Kategorisierungen mit denen BMVBS vergleichen zu können, haben die Gutachter ebenfalls die Gütertransportmengen des Jahres 2004 zu Grunde gelegt. Warum das BMVBS so alte und wenig representative Werte genommen hat, ist aber nicht zu verstehen.
Bode wies aber auch darauf hin, wie bedeutsam der Wassertourismus ist. Viele Gemeinden, Kreise und das Land hätten in die touristische Wasserstraßen-Infrastruktur Millionen investiert. Diese Wasserstraßen zu vernachlässigen, hiesse, diese Investitionen zu entwerten.
Management Summary
120530_Management_Summary_Kategorisierung_Bundeswasserstrassen.pdf |
Tags: wasserstrassen, bmbvs, böb, bode, bundesländer,
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